Aikido

Aikido

Stats

Herkunft
Japan
Gegründet
1942
Organisation
Internationaler Aikido-Verband

Aikido ist eine japanische Kampfkunst, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Morihei Ueshiba (O-Sensei) entwickelt wurde. Sie basiert auf dem Prinzip, die Kraft eines Angreifers zu harmonisieren und umzuleiten, anstatt ihr frontal entgegenzutreten. Aikido zeichnet sich durch fließende Kreisbewegungen, Gelenkhebel, Würfe und Haltegriffe aus und ist unter den Kampfkünsten einzigartig durch sein ausdrückliches philosophisches Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit: Ziel ist es, einen Angriff zu neutralisieren und dem Angreifer dabei möglichst wenig Schaden zuzufügen. Aikido wird weltweit von Millionen Menschen praktiziert und ist ebenso sehr eine spirituelle und philosophische Disziplin wie eine körperliche.

Geschichte

Morihei Ueshiba – Vom Krieger zum Friedensstifter

Morihei Ueshiba wurde 1883 in der Präfektur Wakayama, Japan, geboren. Als kränkliches Kind, das von den Kampfkünsten besessen war, meisterte er mehrere Systeme – vor allem Daito-ryu Aiki-jujutsu unter dem legendären Sokaku Takeda, das zur wichtigsten technischen Grundlage des Aikido wurde. Ueshiba war außerdem ein hingebungsvoller Schüler der Religion Omoto-kyo, und seine spirituelle Entwicklung – insbesondere eine tiefgreifende Erleuchtungserfahrung im Jahr 1925 – veränderte seinen Zugang zu den Kampfkünsten grundlegend.

Er beschrieb seine Erfahrung als die Erkenntnis, dass „die wahre Kampfkunst nicht darin besteht, andere zu besiegen, sondern mit dem Universum in Einklang zu kommen“. Von diesem Zeitpunkt an begann er, das zu entwickeln, was später als Aikido bekannt werden sollte – eine Kampfkunst, die auf aiki (harmonischem Geist), irimi (Eintreten), tenkan (Drehen) und dem Prinzip beruht, die Energie eines Gegners gegen ihn zu nutzen, anstatt ihr mit Kraft entgegenzuwirken.

Aikido-Techniken und -Prinzipien

Aikido-Techniken (waza) sind überwiegend defensiv und werden angewendet, nachdem man sich mit einem Angriff verbunden hat. Zu den grundlegenden Technikfamilien gehören: irimi-nage (Eintretender Wurf), kote-gaeshi (Wurf durch Umkehr des Handgelenks), shiho-nage (Wurf in vier Richtungen), nikyo, sankyo und yonkyo (aufeinander aufbauende Hebel und Fixierungen an Handgelenk und Arm), kokyu-nage (Atemwurf) sowie ikkyo (erste Lehrstufe – grundlegende Armkontrolle und Fixierung).

Das Waffentraining – bokken (Holzschwert), jo (Kurzstock) und tanto (Messer) – ist ein wesentlicher Bestandteil des traditionellen Aikido-Trainings. Ueshibas Training mit Schwert und Speer beeinflusste die Bewegungsmuster des Aikido mit leeren Händen maßgeblich, und das Verständnis der Waffenarbeit erhellt die Logik der waffenlosen Techniken.

Die wichtigsten Stilrichtungen

Aikikai: Der ursprüngliche Stil mit Hauptsitz im Hombu Dojo in Tokio unter der Leitung der Ueshiba-Familienlinie (Doshu). Der Referenzstandard für traditionelles Aikido weltweit.

Yoshinkan: Gegründet von Gozo Shioda, einem älteren Schüler von O-Sensei. Strukturierter und kämpferischer geprägt; der Stil wurde zur Ausbildung der Polizei der Präfektur Tokio eingesetzt. Bekannt für seine präzise und kraftvolle Ausführung.

Iwama-ryu: Von Morihiro Saito im Iwama Dojo entwickelt, wo O-Sensei seine späteren Jahre verbrachte. Betont die Verbindung zwischen Waffen- und waffenlosen Techniken. Heute größtenteils in den Aikikai integriert.

Ki Society (Shin Shin Toitsu Aikido): Von Koichi Tohei gegründet; legt neben der Kampfkunst besonderen Wert auf die Entwicklung von ki (Energie) und die Vereinigung von Geist und Körper.

Training

Training im Aikido

Das Aikido-Training ist kooperativ und nicht wettbewerbsorientiert – im traditionellen Aikido gibt es keine Turniere. Das Training ist um Uke (den Angreifer, der die Technik empfängt) und Tori/Nage (den Verteidiger, der sie anwendet) strukturiert, wobei die Partner die Rollen abwechseln. Dieses kooperative Format ermöglicht es, Techniken sicher mit voller Streckung zu üben und dabei ein Gefühl für das Gleichgewicht und die Bewegungen eines Gegners zu entwickeln.

Ukemi (Fallen und Rollen) ist eine grundlegende Aikido-Fähigkeit – Übende müssen lernen, Würfe und Hebel sicher zu empfangen, bevor diese mit voller Entschlossenheit ausgeführt werden können. Fortgeschrittenes Ukemi ist selbst eine Kampfkunst-Fähigkeit, die es Übenden ermöglicht, nach einem Wurf die Haltung wiederzuerlangen und weiterzumachen.

Das Graduierungssystem reicht von Weiß bis Schwarz (Dan-Grade), wobei die farbigen Kyu-Grade je nach Organisation unterschiedlich sind. Der Fortschritt wird anhand technischer Prüfungen und nicht anhand von Wettkampfergebnissen gemessen.