Ursprünge: Unbewaffneter Kampf der Samurai
Jiu-Jitsu entwickelte sich im feudalen Japan als unbewaffnetes Kampfsystem der Samurai-Klasse. Auf einem Schlachtfeld, auf dem ein Krieger sein Schwert oder seinen Speer verlieren konnte, benötigte er ein effektives System, um gepanzerte Gegner aus nächster Nähe zu bekämpfen. Schläge gegen eine harte Rüstung waren wirkungslos – daher legte Jiu-Jitsu den Schwerpunkt auf Würfe, Gelenkhebel und Würgegriffe, um Gegner außer Gefecht zu setzen.
In ganz Japan entwickelten sich Hunderte verschiedener Schulen (Ryu), jeweils mit eigenen Techniken und ihrer eigenen Philosophie. Zu den bedeutendsten historischen Schulen gehören Takenouchi-ryu (gilt als eine der ältesten, gegründet um 1532), Shindo Yoshin-ryu, Tenjin Shinyo-ryu und Kito-ryu – die beiden letztgenannten hatten den größten Einfluss auf Jigoro Kano, als er 1882 Judo entwickelte.
Die Meiji-Ära und der Niedergang des Jiu-Jitsu in Japan
Als Japan sich während der Meiji-Restauration (1868) modernisierte, wurde die Samurai-Klasse abgeschafft und traditionelle Kampfkünste verloren offiziell an Bedeutung. Jiu-Jitsu-Meister wanderten in großer Zahl aus und verbreiteten die Kunst weltweit. Kanos Judo übernahm die praktischsten Techniken und wurde zur vorherrschenden japanischen Grappling-Kunst – doch das traditionelle Jiu-Jitsu lebte weiter, am eindrucksvollsten in Brasilien.
Mitsuyo Maeda und die brasilianische Verbindung
Mitsuyo Maeda – bekannt als „Count Koma“ – war unter Kano ein Judo-Champion, der ab 1904 durch die Welt reiste und in Europa, den Vereinigten Staaten, Kuba und schließlich Brasilien Herausforderungsmatches bestritt. Maeda war ein Pragmatiker, der traditionelle Bodenkampftechniken des Jiu-Jitsu mit seinem Judo verband, was ihn zu einem der vielseitigsten Grappler seiner Zeit machte.
Als Maeda sich 1914 in Belém niederließ und begann, der Familie Gracie Unterricht zu geben, übergab er ihr den Schlüssel zu dem, was später zum brasilianischen Jiu-Jitsu werden sollte. Die Gracies verfeinerten und adaptierten seine Lehren zu einer neuen Kampfkunst – doch die DNA ist durch und durch japanisches Jiu-Jitsu.