1883–1919: Morihei Ueshiba und seine Ausbildung
Morihei Ueshiba wurde 1883 in der Präfektur Wakayama in Japan geboren. Er studierte verschiedene Kampfkünste und wurde besonders von Daitō-ryū Aiki-jūjutsu beeinflusst, das er ab 1915 unter Takeda Sōkaku studierte. Darüber hinaus wird er unter anderem mit Tenjin Shin’yō-ryū, Gotōha Yagyū Shingan-ryū, Jūdō und japanischem Waffentraining in Verbindung gebracht.
Ab 1919: Ōmoto-kyō und eine sich wandelnde Sichtweise
Nach seinem Weggang aus Hokkaidō im Jahr 1919 kam Ueshiba mit Onisaburō Deguchi in Kontakt, einem geistlichen Führer innerhalb der Ōmoto-kyō-Bewegung. Diese Beziehung beeinflusste Ueshibas religiöse und philosophische Entwicklung. In seiner späteren Sichtweise nahmen Harmonie, Versöhnung und die Begrenzung von Schäden einen größeren Stellenwert ein.
Der Einfluss von Ōmoto-kyō wird nicht von jeder modernen Aikidō-Schule auf dieselbe Weise interpretiert. Die historische Beziehung erklärt einen Teil von Ueshibas persönlicher Entwicklung, macht Aikidō jedoch nicht zu einer einheitlichen religiösen Praxis.
1920er–1942: Entwicklung des Aikidō
Ueshiba entwickelte in den späten 1920er- und den 1930er-Jahren eine eigene Synthese früherer Einflüsse aus den Kampfkünsten. In dieser Zeit wurde seine Kunst unter anderem als Aiki Budō bezeichnet. Der technische Einfluss von Daitō-ryū blieb bedeutend, während sich Ueshibas Unterricht und philosophische Erläuterungen im Laufe seines Lebens veränderten.
Der Name Aikidō wurde 1942 im Rahmen einer von der japanischen Regierung unterstützten Neuorganisation der Kampfkünste offiziell verwendet. Die Namensgebung und die institutionelle Entwicklung waren jedoch Teil eines längeren Prozesses, weshalb 1942 nicht ohne Weiteres als einziges Entstehungsjahr der Kunst angesehen werden sollte.
1942–1969: spätere Entwicklung und Verbreitung
Ueshiba zog sich 1942 nach Iwama zurück, wo er weiter trainierte und unterrichtete. In seinem späteren Wirken gewannen philosophische und spirituelle Themen für viele Schüler an Bedeutung. Nach seinem Tod 1969 entwickelten Schüler und Nachfolger verschiedene Interpretationen und eigenständige Linien.
Ab 1951: internationale Verbreitung
Aikidō wurde ab 1951 außerhalb Japans demonstriert und unterrichtet, zunächst unter anderem in Frankreich. In den folgenden Jahren verbreitete es sich durch japanische Lehrer und internationale Schüler in die Vereinigten Staaten, das Vereinigte Königreich, Italien, Deutschland, Australien und andere Länder. Die Anzahl der Länder, in denen Aikidō praktiziert wird, wird je nach Quelle unterschiedlich angegeben.
Nach Ueshibas Tod wuchsen mehrere Organisationen und Stile. Aikikai blieb mit der Ueshiba-Familienlinie verbunden, während unter anderem Yoseikan, Yoshinkan, Shōdōkan, Shin Shin Tōitsu und Iwama-bezogene Linien eigene Lehrpläne und Organisationen entwickelten.
Ab den 1960er-Jahren: Aikidō in den Niederlanden
Laut niederländischen und internationalen Aikidō-Quellen wurde Aikidō Anfang der 1960er-Jahre in den Niederlanden eingeführt. Peter Beljaars war ein bedeutender früher Pionier und baute in Tilburg eine Sportschule und Aikidō-Tradition auf. Niederländische Praktizierende trainierten in der Anfangszeit auch im Ausland, während japanische Lehrer die Niederlande für Unterricht und Lehrgänge besuchten.
Die Entwicklung in den Niederlanden verlief anschließend über verschiedene Verbände, Stiftungen, Dōjōs und Stilorganisationen. Die genaue Rolle jeder Organisation, die Zugehörigkeiten und die Behauptung, Tilburg sei die einzige Wiege des Aikidō in den Niederlanden gewesen, werden quellenabhängig beschrieben.