Taekkyon

Taekkyon

  • Koreas alte rhythmische Fußkampkunst – fließend, tänzerisch und trügerisch kraftvoll. Ein immaterielles UNESCO-Kulturerbe, das während der japanischen Besatzung beinahe verloren ging, von einem einzigen Meister bewahrt und als Symbol der koreanischen Identität wiederbelebt wurde.

Stats

Herkunft
Südkorea
Gegründet
1983
Organisation
Koreanischer Taekkyon-Verband

Taekkyon (auch Taekkyeon geschrieben) ist die alte koreanische Volkskampfkunst des rhythmischen Fußkampfs – ein fließendes, tanzähnliches Kampfsystem, das auf geschmeidiger Beinarbeit, Beinfegern, Tritten und Beinstellern beruht, statt auf den harten, geradlinigen Techniken des modernen Taekwondo. Taekkyon wurde 2011 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt und zählt zu den ältesten dokumentierten koreanischen Kampfkünsten. Seine Wurzeln reichen bis zum Königreich Goguryeo (37 v. Chr. – 668 n. Chr.) zurück. Während der japanischen Kolonialzeit beinahe verloren gegangen, wurde die Kunst im 20. Jahrhundert durch die Bemühungen eines einzigen Meisters – Song Duk-ki – wiederbelebt, der die Tradition bis in die Moderne bewahrte. Taekkyon ist der lebendige Vorläufer des Taekwondo und ein tiefgreifender Ausdruck der koreanischen Kriegerkultur.

Geschichte

Antikes koreanisches Fußkampfsystem

Die Ursprünge des Taekkyon sind in antiken koreanischen Wandmalereien dokumentiert – Darstellungen aus Gräberkomplexen von Goguryeo aus dem 4. bis 7. Jahrhundert n. Chr. zeigen Figuren in Körperhaltungen, die Historiker der Kampfkünste als Taekkyon-Stellungen und -Positionen identifizieren. Die Kunst wurde in ganz Korea als volkstümliche Aktivität praktiziert, insbesondere während der Joseon-Dynastie (1392–1897), als sie sowohl als festlicher Wettkampf als auch auf Dorfebene als Kampfkunst ausgeübt wurde.

Während der japanischen Kolonialzeit (1910–1945) wurden traditionelle koreanische Kulturpraktiken systematisch unterdrückt. Taekkyon verschwand beinahe vollständig – Mitte des 20. Jahrhunderts besaß nur noch ein bekannter Meister, Song Duk-ki (1893–1987), lebendige Kenntnisse der vollständigen Tradition. Songs Bewahrung des Taekkyon und seine Weitergabe an Schüler, darunter Shin Han-seung, bilden die direkte Verbindung zwischen der alten Tradition und ihrer modernen Wiederbelebung.

Taekkyon und Taekwondo – Vorfahr und Nachfahre

Die Beziehung zwischen Taekkyon und Taekwondo ist historisch bedeutsam, aber umstritten. Die Gründer des Taekwondo – darunter Choi Hong Hi und die Meister, die die Korean Taekwondo Association gründeten – stützten sich auf mehrere Quellen, darunter japanisches Karate, chinesische Kampfkünste und koreanische einheimische Traditionen wie Taekkyon. Die fließende Ästhetik von Tritten und Fegern im Taekkyon ist in der Betonung des Taekwondo auf Tritte erkennbar, doch das harte, lineare Technikvokabular des Taekwondo weicht deutlich vom weichen, rhythmischen Charakter des Taekkyon ab. Taekkyon-Praktizierende betonen häufig, dass es sich um zwei eigenständige Traditionen mit familiären Ähnlichkeiten und nicht um eine direkte Abstammung handelt.

UNESCO-Anerkennung und heutiger Status

Die Aufnahme des Taekkyon in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO im Jahr 2011 war ein Meilenstein für die koreanischen Kampfkünste – Taekkyon war die erste Kampfkunst, die diese Anerkennung erhielt. Die Aufnahme würdigt Taekkyon nicht nur als Kampfsystem, sondern als lebendige kulturelle Tradition, die Musik, Rhythmus, gemeinschaftliche Praxis und historisches Gedächtnis umfasst. Die 1983 gegründete Korea Taekkyon Association regelt den Wettkampf und die Förderung der Kunst auf nationaler und internationaler Ebene.

Training

Training im Taekkyon

Das Taekkyon-Training zeichnet sich durch seinen rhythmischen, fließenden Charakter aus – die Ausübenden bewegen sich in einem stetigen, sanften Wippen (genannt Pum Balgi oder „dreieckiges Schreiten“), wodurch der Schwung und die Unberechenbarkeit entstehen, die die Techniken der Kampfkunst antreiben. Dieser Rhythmus ist grundlegend: Taekkyon ohne die rhythmische Basis ist kein Taekkyon. Zu den Techniken gehören Beinfeger (bei denen das vordere Bein des Gegners weggefegt wird), Stoßtritte, Hakentritte, Beinfallen und Würfe sowie Handtechniken, die eher zur Vorbereitung als als primäre Waffen eingesetzt werden.

Bei Wettkämpfen im Taekkyon (Gyeorugi) werden Beinfeger, Würfe und sauber ausgeführte Beintechniken bewertet – der rhythmische Charakter der Kampfkunst lässt die Wertung für Außenstehende eher wie bei einem Tanzwettbewerb als bei einem Kampfsport wirken, doch die technischen Anforderungen sind beträchtlich.