Bewahrung und moderne Wiederbelebung
Song Deok-gi
Song Deok-gi (1893–1987) war das wichtigste bekannte Bindeglied zwischen der Vorkriegstradition und der modernen Wiederbelebung. Der Überlieferung zufolge lernte er bei Meister Im Ho und trainierte während der japanischen Besatzung heimlich weiter. Seine Form wurde Widae genannt, nach Sajik, dem hoch gelegenen Dorf, mit dem seine Tradition verbunden wurde.
Nach einer Demonstration zum Geburtstag von Präsident Syngman Rhee am 26. März 1958 wurde Song erneut in der Öffentlichkeit bekannt. Später wurde er häufig als der letzte Meister der Joseon-Tradition bezeichnet. Dieser Beiname ist kulturell bedeutsam, doch „der einzige überlebende Meister“ sollte als quellengebundene historische Formulierung verstanden werden.
Shin Han-seung und Modernisierung
Shin Han-seung (1928–1987), ein Schüler Songs und Sportpädagoge, entwickelte ein modernes Trainingssystem. Dazu gehörten unter anderem festgelegte Formen, eine formale Rangstruktur und eine sportorientierte Organisation. Diese Modernisierung trug dazu bei, dass Taekkyon offizielle Anerkennung erhielt, führte jedoch auch zu einer anhaltenden Spannung zwischen den Bewahrern der älteren Widae-Form und den Modernisten.
Am 1. Juni 1983 wurde Taekkyon von der südkoreanischen Regierung als „Important Intangible Cultural Asset“ eingestuft. Song Deok-gi und Shin Han-seung erhielten später den Status eines lebenden nationalen Kulturguts. Nach ihrem Tod im Jahr 1987 wurde dieser persönliche Status aufgehoben, während die umfassendere kulturelle Anerkennung Taekkyons bestehen blieb.
UNESCO und Wettkampfsport
Der erste zeitgenössische Taekkyon-Wettkampf fand historischen Übersichten zufolge am 30. Juni 1985 in Busan statt. Dieses Ereignis markierte die Rückkehr des Taekkyon als organisierte moderne Sportart. Im November 2011 wurde Taekkyon in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen. Die Anerkennung betont nicht nur die Kampftechnik, sondern auch Rhythmus, Musik, Gemeinschaft und kulturelles Gedächtnis.