Von Jiu-Jitsu zu Judo
Jigoro Kano wurde 1860 in Mikage, Japan, geboren. Als kleiner, schmächtiger Junge, der oft gehänselt wurde, begann er, traditionelles Jiu-Jitsu zu trainieren. Er studierte unter anderem Tenjin Shinyo-ryu und Kito-ryu und fasste deren nutzbare Techniken zu einem sichereren und systematischeren System zusammen: Judo.
1882 gründete Kano in Tokio das Kodokan. Er entfernte die gefährlichsten Techniken aus dem traditionellen Jiu-Jitsu und entwickelte Randori, freies Üben mit Widerstand, als Grundlage für ein sicheres, aber realistisches Training. Diese Kombination aus Technik, körperlicher Entwicklung und geistiger Bildung machte Judo zu mehr als einer gewöhnlichen Sammlung von Kampftechniken.
Die Philosophie von Jigoro Kano
- Seiryoku zenyō - maximale Wirkung mit minimalem Aufwand erzielen. Setze deine Energie effizient ein und lerne, die Kraft eines Gegners zu deinem Vorteil zu nutzen.
- Jita kyōei - gegenseitiger Nutzen und allgemeines Wohlergehen. Judo lernt man gemeinsam – mit Respekt vor dem Partner und Verantwortung für die Entwicklung des anderen.
Technik statt roher Kraft
Nach dem ursprünglichen Ideal sollte sich eine kleinere und körperlich schwächere Person mit Technik gegen einen größeren Angreifer verteidigen können. Im Wettkampfjudo spielt Kraft natürlich ebenfalls eine Rolle, doch Timing, Gleichgewicht, Griff, Haltung und die technische Wahl entscheiden noch immer darüber, wer einen Schlagabtausch gewinnt.
Judo wird weltweit verbreitet und olympisch
Kano verbreitete Judo international durch Vorführungen und Lehrgänge. 1964 wurde Judo bei den Olympischen Spielen in Tokio olympisch. Die ersten Weltmeisterschaften der Männer fanden 1956 statt, die erste Weltmeisterschaft der Frauen 1980. Ab 1987 wurden die Turniere zusammengelegt. Die International Judo Federation (IJF) ist der internationale Dachverband des Sports.
Die niederländische Judo-Tradition erlangte dank Anton Geesink, der 1964 in Tokio olympisches Gold gewann, Wim Ruska, der 1972 zwei Goldmedaillen gewann, und Mark Huizinga, der 2000 Olympiasieger wurde, weltweit Anerkennung.