Kendo
- Der Weg des Schwertes – Japans traditionelle Fechtkunst mit dem Bambusschwert, verwurzelt in der Schwertkunst der Samurai. Anspruchsvoll, meditativ und zutiefst philosophisch formt Kendo sowohl Technik als auch Charakter.
Stats
- Herkunft
- Japan
- Gegründet
- 1895
- Organisation
- International Kendo Federation
Kendo ist eine japanische Kampfkunst des Schwertkampfs – eine moderne, sportliche Weiterentwicklung der Schwertkunst der Samurai auf dem Schlachtfeld (Kenjutsu), bei der Übungsschwerter aus Bambus (Shinai) und eine Schutzausrüstung (Bogu) verwendet werden. Der Name bedeutet „der Weg des Schwertes“. Kendo wird weltweit von über 6 Millionen Menschen praktiziert und ist zugleich ein Wettkampfsport, eine körperliche Disziplin und eine zutiefst philosophische Praxis, die im Bushido – dem Verhaltenskodex der Samurai – verwurzelt ist. Die Betonung von Etikette, Geist und Selbstkultivierung neben technischer Exzellenz macht Kendo zu einem der umfassendsten japanischen Kampfkunstwege.
Geschichte
Vom Schlachtfeld-Kenjutsu zum modernen Kendo
Die Wurzeln des Kendo liegen im Kenjutsu – den Schwertkampfsystemen, die Japans Samurai-Klasse über Jahrhunderte feudaler Kriege entwickelte. Als Japan sich unter dem Tokugawa-Shogunat (1603–1868) modernisierte und groß angelegte Kriege seltener wurden, entwickelten sich die Kenjutsu-Schulen (Ryu) von der Vorbereitung auf das Schlachtfeld hin zu philosophischer und technischer Verfeinerung. Die Einführung des Shinai (eines Übungsschwerts aus gespaltenem Bambus) und des Bogu (Schutzausrüstung) im 18. Jahrhundert – die Naganuma Sirōzaemon Kunisato um 1710 zugeschrieben wird – veränderte das Training, da nun Vollkontakt-Schläge ohne ernsthafte Verletzungen möglich waren.
Die Meiji-Restauration (1868) bedrohte zunächst die traditionellen Kampfkünste, doch Kendo wurde als nationale Disziplin für Leibeserziehung und Charakterbildung wiederbelebt und standardisiert. Das 1895 gegründete Dai Nippon Butoku Kai (Gesellschaft für die Tugenden der japanischen Kampfkunst) erstellte das erste einheitliche Kendo-Lehrprogramm und verbreitete die Kunst landesweit. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kendo von den alliierten Besatzungsbehörden kurzzeitig als militaristische Praxis verboten, 1952 jedoch in einer reformierten, ausdrücklich sportlichen Form mit der Gründung der All Japan Kendo Federation wieder zugelassen.
Kendo-Technik und Wettkampf
Ein Kendo-Wettkampf (Shiai) wird gewonnen, indem man vor dem Gegner zwei gültige Treffer (Ippon) erzielt. Gültige Trefferziele sind Men (Helm/Kopf), Kote (rechtes oder linkes Handgelenk), Do (Seite der Rüstung) und Tsuki (Stoß zum Hals). Jeder Treffer muss gleichzeitig mit dem richtigen Geist (Kiai – dem Kampfschrei), der richtigen Technik (Schneiden mit dem korrekten Teil des Shinai), dem richtigen Ziel, der richtigen Körperhaltung und der richtigen Körperbewegung ausgeführt werden – ein Standard, der als Yuko-datotsu (wirksamer Treffer) bezeichnet wird.
Dieses mehrschichtige Kriterium für die Gültigkeit macht die Punktevergabe im Kendo subjektiv und zutiefst philosophisch – ein technisch perfekter Treffer ohne den nötigen Geist ist ungültig. Die Betonung von Zanshin (anhaltender geistiger Wachsamkeit und korrekter Körperhaltung nach einem Treffer) spiegelt das Samurai-Erbe des Kendo wider, denn eine nach dem Treffer fallengelassene Deckung konnte tödlich sein.
Kata, Iaido und die weitere Kendo-Familie
Neben Wettkämpfen mit dem Shinai studieren ernsthafte Kendo-Praktizierende Nihon Kendo Kata – zehn formelle Schwertformen zu zweit, die mit Holzschwertern (Bokuto) ausgeführt werden und die klassischen Kenjutsu-Techniken bewahren, auf denen Kendo basiert. Iaido – die Kunst, das Schwert in einer einzigen fließenden Bewegung zu ziehen, zu schneiden und wieder in die Scheide zu führen – wird in vielen Dojos neben Kendo als ergänzende Disziplin praktiziert, um Präzision, Ruhe und ein Bewusstsein für das Schwert zu entwickeln. Jodo (Techniken mit dem Kurzstab gegen das Schwert) vervollständigt die drei Disziplinen der FIK.
Training
Training im Kendo
Das Training im Kendo beginnt mit Suburi – dem Üben von Schlägen allein mit einem Bokuto oder einem schweren Trainingsshinai. Dabei werden die korrekte Schnitttechnik, die Beinarbeit (Fumikomi – der stampfende Schritt) und die Körperhaltung entwickelt. Grundlegende Schläge (Men, Kote, Dō, Tsuki) werden gegen einen Partner mit Bogu bei Kakari-geiko (Angriffsübung) und Kirikaeshi (fortlaufende Men-Schläge mit Reaktion des Partners) geübt. Ji-geiko (freies Sparring) ist die wichtigste Trainingsmethode für fortgeschrittene Schüler.
Der Fumikomi – ein kraftvoller stampfender Schritt, der jeden Schlag begleitet – ist die charakteristische Bewegung des Kendo. Er erzeugt Kraft aus dem Boden durch das gleichzeitige Auftreten mit dem Fuß und den Kontakt des Shinai. Der kombinierte Klang von Fumikomi und Shinai-Schlag, begleitet vom Kiai-Ruf, ist das prägende Sinneserlebnis in einem Kendo-Dōjō.
Das Dan-/Kyu-Bewertungssystem reicht von den Kyu-Graden für Anfänger bis zum 8. Dan – dem höchsten erreichbaren Grad, der nur von der All Japan Kendo Federation an Praktizierende verliehen wird, die ihr Leben der Kunst gewidmet haben. Die Bestehensquote bei Prüfungen zum 8. Dan liegt typischerweise unter 1 %.
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Ausrüstung & Ausrüstung
Kendo-Ausrüstungsratgeber
Shinai: Das Übungsschwert aus gespaltenem Bambus – vier durch Lederbeschläge zusammengebundene Bambusstreben. Shinai für Wettkämpfe müssen je nach Alter und Geschlecht strenge FIK-Vorgaben für Länge und Gewicht erfüllen. Shinai müssen regelmäßig gepflegt werden – auf Splitter prüfen, Beschläge festziehen und abgenutzte Teile ersetzen.
Bogu (Rüstung): Die vierteilige Schutzausrüstung bestehend aus Men (Helm mit Gesichtsgitter), Kote (gepolsterte Handschuhe), Do (lackierter Brust- und Seitenschutz) und Tare (Hüft- und Tiefschutz). Hochwertiges Bogu ist eine beträchtliche Investition – gute Sets halten bei richtiger Pflege Jahrzehnte. Maschinell vernähtes Bogu ist erschwinglicher; handvernähtes Bogu (Tezashi) gilt traditionell als Qualitätsstandard.
Kendogi und Hakama: Die Trainingsuniform – ein dickes indigoblaues Baumwolloberteil (Kendogi), das unter dem Hakama (weit geschnittene Faltenhose) getragen wird. Der Indigofarbstoff wirkt traditionell antibakteriell. Die Hakama-Farbe ist beim Kendo typischerweise Dunkelblau oder Schwarz.
Bokuto: Holzschwert für das Kata-Training. Standard-Bokuto für Kendo entsprechen den Vorgaben der All Japan Kendo Federation. Suburito (schweres Trainings-Bokuto) werden zur Entwicklung von Kraft und Schnittmechanik eingesetzt.