Mau Rākau ist die Māori-Tradition des Umgangs mit traditionellen Waffen in Aotearoa, Neuseeland. Dieses Wissen verbindet körperliches Können, Tikanga, Whakapapa, Gemeinschaft, Disziplin und den Respekt vor Taonga. Moderne Wānanga und Trainingsprogramme unterscheiden sich je nach Iwi, Lehrkraft und Kontext.
Herkunft
Neuseeland
Mehr entdecken
01. / Übersicht
Übersicht
Was ist Mau Rākau?
Mau Rākau bedeutet im weitesten Sinne den Umgang mit Waffen und bezieht sich auf das Māori-Wissen über traditionelle Waffen, Kampfkunst und kulturelle Bildung. Die Tradition gehört zu Aotearoa, Neuseeland, und kann nicht losgelöst von Tikanga, Whakapapa, Mana, Gemeinschaft sowie der Beziehung zwischen Menschen und Land betrachtet werden.
Der Begriff umfasst nicht überall genau dasselbe. Mau Taiaha bezeichnet speziell die Arbeit mit der Taiaha, während Mau Rākau als umfassenderer Begriff auch andere Waffen und regionale Traditionen einschließen kann. Moderne Programme sind kein einheitlicher Wettkampfsport und werden je nach Iwi, Hapū, Lehrkraft und Organisation unterschiedlich weitergegeben.
Mau Rākau ist mehr als eine Sammlung von Waffentechniken. Es ist eine lebendige kulturelle Praxis, in der Körper, Sprache, Geschichte, Vorfahren, Disziplin und Verantwortung zusammenkommen. [Quelle: https://teara.govt.nz/en/mau-rakau-maori-use-of-weaponry]
Mau Rakau
02. / Geschichte
Geschichte
Geschichte und kulturelle Weitergabe
Die Traditionen der Māori-Krieger entwickelten sich in Aotearoa innerhalb lokaler Gemeinschaften, Führungsstrukturen und der Tikanga. Die Whare-tū-taua, das Haus oder die Schule des Krieges, wird in der Überlieferung mit der Ausbildung junger Toa in Verbindung gebracht. Der genaue Inhalt und die Art der Weitergabe unterschieden sich je nach Iwi und Zeitperiode.
Kolonisierung, Kriege, Landverlust, Assimilation sowie die Unterdrückung der Māori-Sprache und des Māori-Wissens beeinträchtigten die Weitergabe. Der Tohunga Suppression Act von 1907 wird häufig im weiteren Zusammenhang mit der Unterdrückung traditionellen Wissens genannt, doch nicht jede lokale Entwicklung von Mau Rākau lässt sich unmittelbar darauf zurückführen.
Während der Māori-Renaissance ab den 1970er- und 1980er-Jahren wurden Sprache, Whakapapa, Kunst, Haka und Kampfkunst wieder sichtbarer und aktiv weitergegeben. Mita Mohi spielte eine wichtige Rolle bei den Mokoia-Taiaha-Wānanga. Den bereitgestellten Quellen zufolge wurden damit bis 2007 mehr als 11.000 Menschen erreicht, später mehr als 20.000. Diese Zahlen sind quellen- und zeitgebunden. [Quelle: https://teara.govt.nz/en/mau-rakau-maori-use-of-weaponry]
Mythos, Whakapapa und Mana
Überlieferungen verbinden Waffen wie Taiaha und Patu mit Tāne, dem Gott des Waldes, und Tū, dem Gott des Krieges, den Söhnen von Ranginui und Papatūānuku. Solche Erzählungen sind Teil des Māori-Mātauranga und der Māori-Mythologie. Sie werden nicht als empirische Belege für den Ursprung dargestellt.
Die wichtigsten Waffenkategorien
Die Taiaha ist eine lange traditionelle Waffe mit einem Arero, einem spitzen und oft zungenförmigen Ende, sowie einem breiteren Körper oder einer Klinge. Die Tewhatewha ist eine lange Waffe mit einer breiten Rapa und einer Mata. Die Pouwhenua ist eine lange Holzwaffe, deren Form und Bedeutung je nach Kontext variieren kann.
Patu ist ein weit gefasster Sammelbegriff für kurze Keulen und Stampfwerkzeuge. Dazu gehören unter anderem Patu Pounamu oder Mere, steinerne Patu Ōnewa, Patu Paraoa aus Walknochen sowie Varianten aus Holz. Die Kotiate und Wahaika sind markante kurze Māori-Waffen mit jeweils eigener Form und Bezeichnung.
Ein Mere Pounamu wird aus Pounamu, Nephrit oder Greenstone gefertigt und hat neben seiner historischen Waffenkategorie eine starke Bedeutung als Taonga, Führungssymbol und Erbstück. Die Bedeutung des Materials, der Schnitzereien, des Namens, der Weitergabe und der Verwendung hängt vom jeweiligen Objekt und der jeweiligen Gemeinschaft ab.
Die Waffen werden hier als historisches und kulturelles Erbe beschrieben. Der Text enthält keine Anleitungen zum Schlagen, Stechen, Entwaffnen oder bewaffneten Kämpfen.
Mere aus Pounamu
Eine Mere ist eine kurze, breite, blattförmige Patu. Eine Mere aus Pounamu wird aus Nephrit oder Greenstone gefertigt und kann als Symbol für Rangatira, Führung und Whakapapa weitergegeben werden. In anderen Regionen bezeichnet Mere auch vergleichbare Formen aus Holz, Walknochen oder Stein.
Eine Mere kann einen Namen, eine Geschichte und Mana in sich tragen. Besondere Exemplare wurden aufbewahrt, weitergegeben oder als Zeichen des Vertrauens verschenkt. Die Herstellung einer Mere aus Pounamu ist arbeitsintensiv und eng mit den Eigenschaften und der Herkunft des Materials verbunden.
Die Mere ist außerdem in der Māori-Symbolik sichtbar, unter anderem auf der Kotahitanga-Flagge. Die Bedeutung eines bestimmten Objekts sollte aus dem Kontext des jeweiligen Iwi, der Whānau oder der Sammlung heraus erläutert werden.
Kotiate, Tewhatewha und Pouwhenua
Die Kotiate ist eine kurze Keule aus Holz oder Walknochen. Der Name wird häufig von koti, „schneiden“ oder „teilen“, und ate, „Leber“, hergeleitet, möglicherweise wegen der gelappten Form. Die Etymologie wird als gängige Erklärung präsentiert, nicht als absolute Gewissheit.
Die Tewhatewha ist eine lange traditionelle Waffe mit einer breiten Rapa und einer Mata am anderen Ende. In historischen Beschreibungen hatte der Gegenstand neben einem kriegerischen auch einen signalgebenden und zeremoniellen Kontext.
Pouwhenua bedeutet auch Landpfosten. Als Pou Whenua markiert ein reich geschnitzter Pfosten eine Grenze oder einen bedeutungsvollen Ort und erzählt eine Geschichte über Tangata Whenua, Vorfahren und Land. Als Waffe gehört Pouwhenua zu einer anderen, langen Kategorie neben unter anderem Tewhatewha und Taiaha.
Patu und Wahaika
Patu ist ein weiter Begriff für kurze Māori-Keulen sowie für Werkzeuge, die nicht als Waffen dienten. Patu pounamu oder Mere, Patu ōnewa, Patu paraoa und Formen aus Holz unterscheiden sich hinsichtlich Material und regionaler Bezeichnung. Patu muka wurde bei der Verarbeitung von Flachsfasern verwendet, Patu aruhe bei der Verarbeitung essbarer Farnwurzeln.
Die Wahaika ist eine kurze Keule aus Holz oder Walknochen. Der Name wird häufig mit der Form der Einkerbung in Verbindung gebracht, die als Fischmaul beschrieben wird. Geschnitzte Wahaika konnten neben ihrer historischen kriegerischen Bedeutung auch eine zeremonielle Rolle bei Ansprachen von Rangatira spielen.
Ein Vergleich zwischen Wahaika und der Mapuche-Keule Clava wurde als möglicher Hinweis auf präkolumbianischen Kontakt zwischen Polynesien und Südamerika angeführt. Dies bleibt spekulativ und gilt nicht als nachgewiesene historische Verbindung.
Kulturerbe, Film und öffentliche Wahrnehmung
The Dead Lands (2014) ist ein moderner Film, in dem die Māori-Kriegerkultur und Waffen eine wichtige Rolle spielen. Eine Filmdarstellung ist jedoch Choreografie und dramatische Inszenierung, keine vollständige Darstellung von Mau Rākau.
Weltmuseen und Kultureinrichtungen können Mau Rākau, Waka, Haka und andere Māori-Traditionen in Programme über globale Kampfkünste und Identität einordnen. Solche Aktivitäten dienen der Publikumsbildung und der Auseinandersetzung mit dem Kulturerbe und sind kein Beleg dafür, dass alle Bestandteile eine einheitliche Kampfkunst bilden.
Wer Mau Rākau kennenlernen möchte, sollte nach einem Programm mit einem klaren Māori-kulturellen Kontext, qualifizierter Anleitung, Respekt vor Tikanga und sicheren Übungsmaterialien suchen. Die richtige Frage lautet nicht nur, welche Waffen gezeigt werden, sondern auch, von wem das Wissen stammt und in welchem Beziehungsrahmen es weitergegeben wird.
03. / Entwicklung
Entwicklung
Mau Rākau, Haka und kultureller Kontext
Mau Rākau und Haka können in den Māori-Kriegertraditionen eine gemeinsame körperliche und kulturelle Sprache haben, sind jedoch nicht dieselbe Disziplin. Haka gibt es in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichen Funktionen, darunter Begrüßung, Gedenken, Identität und Herausforderung. Der Haka der All Blacks ist kein allgemeiner Mau-Rākau-Unterricht.
Mana bezeichnet je nach Kontext Autorität, Prestige, Stärke und Verantwortung. Ein Taonga kann mit Whakapapa und Geschichte verbunden sein, doch solche Bedeutungen sind nicht für jedes Objekt oder jede Gemeinschaft identisch.
Mau Rākau sollte daher nicht ausschließlich als Kampfsport oder als exotisches Waffentraining verstanden werden. Die kulturelle Beziehung zu Sprache, Land, Vorfahren, Gemeinschaft und Tikanga ist wesentlich.
Mau Rākau in den Niederlanden
Mau Rākau ist in den Niederlanden und Europa deutlich weniger präsent als Kampfsportarten mit einer festen Verbandsstruktur. Auf Grundlage der bereitgestellten Informationen gibt es keine vollständige aktuelle Liste wöchentlicher niederländischer Dojos oder Wettkämpfe. Aktivitäten scheinen vor allem in Form kultureller Wānanga, Vorführungen, Workshops oder Programmen rund um das Māori-Erbe stattzufinden.
Das Wereldmuseum Leiden, ehemals Museum Volkenkunde, bildet einen wichtigen niederländischen Kontext. Den bereitgestellten Museumsquellen zufolge wurden dem Museum 2010 ein Waka Taua und ein Waka Tete Kura übergeben. Niederländische Freiwillige, darunter Personen, die beim K.S.R.V. Njord engagiert sind, helfen beim Rudern und bei der Instandhaltung der Wakas gemäß den vereinbarten Tikanga. [Quelle: https://leiden.wereldmuseum.nl/nl/zien-en-doen/activiteiten/maori-weekend; https://leiden.wereldmuseum.nl/nl/matariki/ondersteun-de-waka-vrijwilligers]
Waka-Training, Te Reo, Zeremonie, Haka und Mau Rākau dürfen nicht als ein und dieselbe Praxis dargestellt werden. Ob ein Workshop stattfindet, wer ihn leitet und welche kulturelle Autorität damit verbunden ist, muss für jedes Programm und jede Quelle geprüft werden. Die genannte Pouwaru-Behauptung wird daher nicht als allgemeine Regel festgehalten.
04. / Training
Training
Philosophie und Training
Das Mau-Rākau-Training kann körperliche Übungen mit Tikanga, Whakapapa, Mana, Disziplin und Verantwortung verbinden. Die Whare-tū-taua wird in traditionellen Darstellungen als ein Kontext genannt, in dem junge Toa ausgebildet wurden. Moderne Wānanga und Kurse haben jedoch ihr eigenes Programm, ihre Sicherheitsregeln und kulturellen Vereinbarungen.
Das Training kann Haltung, Beinarbeit, Rhythmus, Distanz, Koordination, Körperwahrnehmung, kontrollierte Partnerübungen und den Umgang mit sicheren Übungswaffen umfassen. Māori-Begriffe und die Bedeutung der Übungen können sich je nach Iwi, Hapū und Lehrkraft unterscheiden.
Pūkana ist vor allem als kraftvoller Gesichtsausdruck innerhalb von Māori-Performances und Haka bekannt. Es ist nicht automatisch eine universelle technische Übung jeder Mau-Rākau-Schule. Auch Begriffe wie Wewero sollten quellen- und kontextbezogen verwendet werden.
Respekt vor der Waffe, der Lehrkraft, dem Partner, den Vorfahren und der Gemeinschaft steht im Mittelpunkt. Modernes Training sollte mit geeigneten Übungsmaterialien und fachkundiger Anleitung stattfinden; historische Beschreibungen sind keine praktischen Kampfanweisungen.
Die Taiaha ist eine lange Waffe mit Arero, Tinana und weiteren regionalen Bezeichnungen. Die Tewhatewha hat einen langen Schaft, eine breite Rapa und eine Mata. Pouwhenua kann einen reich geschnitzten Markierungspfahl oder eine lange traditionelle Waffe bezeichnen; diese beiden Bedeutungen müssen voneinander unterschieden werden.
Patu und Mere sind kurze Waffen. Ein Mere Pounamu ist ein wertvolles Erbstück aus Pounamu, während andere Patu aus Holz, Stein oder Walknochen gefertigt sein können. Kotiate und Wahaika sind kurze Waffen mit jeweils eigener Form, Bezeichnung und zeremoniellem Kontext.
Historische Materialien und Maße werden hier ausschließlich als Erbinformation genannt. Bei modernen Vorführungen sollten sichere Übungsmaterialien und fachkundige Anleitung verwendet werden.