Yağlı Güreş

Yağlı Güreş

  • Türkiyes Nationalsport und der älteste ununterbrochen stattfindende Sportwettbewerb der Welt – seit 1361 in Kırkpınar ausgetragen. Mit Öl getränkte Lederhosen, herausragende Pehlivan-Ringer und sechs Jahrhunderte ungebrochene Tradition. Ein immaterielles UNESCO-Kulturerbe.

Stats

Herkunft
Türkei
Gegründet
1361
Organisation
Türkischer Ringerverband

Yagli Gures (Türkisch: „Ölringen“) ist die traditionelle Ringkampfart der Türkei – eine der ältesten kontinuierlich ausgeübten Sportarten der Welt und der Nationalsport der Türkei. Die Ringer (Pehlivan) reiben ihre Körper und Lederhosen (Kispet) vor dem Wettkampf mit Olivenöl ein. Dadurch entsteht eine einzigartige Herausforderung durch den rutschigen Griff, die außergewöhnliche Kraft, Technik und Entschlossenheit erfordert. Das Ölringerfestival von Kirkpinar in Edirne, das seit 1361 jährlich stattfindet, gilt als die älteste kontinuierlich ausgetragene Sportveranstaltung der Welt – und macht Yagli Gures zu einer lebendigen Verbindung zur türkischen Kriegerkultur aus der Zeit vor dem Osmanischen Reich. Yagli Gures wurde 2010 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO aufgenommen und ist weit mehr als ein Sport – es ist ein tiefgreifender Ausdruck der türkischen nationalen Identität.

Geschichte

Kirkpinar – Das älteste Sportereignis der Welt

Die Gründungslegende des Kirkpinar-Festivals geht auf das Jahr 1357 zurück, als die Truppen des osmanischen Sultans Orhan Gazi während eines Feldzugs in der Nähe von Edirne lagerten. Vierzig Krieger begannen zu ringen, um sich die Zeit zu vertreiben. Zwei von ihnen waren so ebenbürtig, dass sie die ganze Nacht und bis zum nächsten Tag rangen und schließlich beide vor Erschöpfung starben. Sie wurden dort begraben, wo sie zu Boden gegangen waren, und der Legende nach wuchsen Rosen (kirk pinar – vierzig Quellen) aus ihren Gräbern. Das erste dokumentierte Kirkpinar-Turnier fand 1361 statt und wird seitdem jedes Jahr ausgetragen – überlebte Kriege, Seuchen und politische Umwälzungen während sechseinhalb Jahrhunderten.

Die Rolle des Olivenöls ist sowohl praktisch als auch symbolisch. Olivenöl war in der osmanischen Welt ein alltägliches Handelsgut, und das Einölen des Körpers machte traditionelle Grifftechniken unmöglich – dadurch entwickelte sich ein eigenständiges technisches System rund um den Kispet (Lederhose), der den wichtigsten Griffpunkt bietet. Die größten Pehlivan sind in der Türkei Nationalhelden – der Titel Baspehlivan (Oberster Ringer), der bei Kirkpinar gewonnen wird, genießt ein kulturelles Ansehen, das mit dem eines nationalen Fußballmeistertitels vergleichbar ist.

Regeln und technisches System

Ein Kampf wird gewonnen, indem man den Gegner auf den Rücken wirft, ihn vom Boden hebt und drei Schritte weit trägt oder ihn zur Aufgabe zwingt. Der wichtigste Griff gilt dem Kispet – der Lederhose –, in die die Ringer hineingreifen und von innen greifen, wodurch ein ungewöhnlicher, aber stabiler Kontrollpunkt entsteht. Im traditionellen Format gibt es für die Kämpfe kein Zeitlimit, moderne Wettbewerbe verwenden jedoch Zeitlimits und eine Punktwertung, um den Sieger zu bestimmen, wenn kein Schultersieg erzielt wird.

Der Ehrenkodex des Pehlivan – Ritterlichkeit, Respekt gegenüber den Gegnern, Bescheidenheit im Sieg und Würde in der Niederlage – ist in dieser Tradition ebenso wichtig wie technisches Können. Die Musik von Davul (Trommel) und Zurna (Rohrblattinstrument), die die Kämpfe begleitet, verbindet den Sport mit seinen tiefen kulturellen Wurzeln.

Training

Training im Yagli Gures

Das Training im Yagli Gures ist körperlich anspruchsvoll und entwickelt die außergewöhnliche Oberkörper- und Griffkraft sowie die Rumpfkraft, die nötig sind, um einen eingeölten Gegner zu kontrollieren. Das Training umfasst Ringkampfübungen im Kispet, Kraft- und Konditionstraining sowie den schrittweisen Erwerb technischer Kenntnisse durch jahrelange Wettkampferfahrung. Die Ringer-Community in der Türkei ist über regionale Tekke (Trainingshallen) organisiert, und der Weg vom Nachwuchswettkämpfer zum Baspehlivan erstreckt sich typischerweise über zwei bis drei Jahrzehnte.

Das Training mit Olivenöl ist unerlässlich, um die spezifischen Griff- und Gleichgewichtsfähigkeiten zu entwickeln, die dieser Sport erfordert – trockenes Training bildet die Wettkampfbedingungen einfach nicht realistisch ab. Ernsthafte Pehlivan trainieren während der gesamten Wettkampfsaison regelmäßig mit Öl.