Ein rechter Schlag, der einen Kampf plötzlich aufbricht. Ein hoher Kick, der einen vollen Saal von den Sitzen reißt. Die Anspannung, mit der ein Gegner reagiert, sobald Badr Hari nach vorn geht. Seine Karriere brachte Momente hervor, die Kickboxfans auch Jahre später noch in Erinnerung haben. Diese Faszination begann mit einem Sportler, der über außergewöhnliche offensive Fähigkeiten verfügte, und wuchs durch die Gegner, Trainer und Bühnen, denen er auf seinem Weg begegnete.
Haris Geschichte führt von Amsterdamer Kampfsportschulen zu japanischen K-1-Turnieren, in die Amsterdam ArenA und ins GelreDome. Er wurde K-1-Heavyweight-Champion, gewann den It’s-Showtime-Schwergewichtstitel und erreichte zwei Endspiele des klassischen K-1 World Grand Prix. Später machte seine Rivalität mit Rico Verhoeven das Kickboxen einem noch größeren Publikum bekannt. Hinter diesen bekannten Höhepunkten stehen verschiedene Trainingsphasen, Revanchekämpfe und Kämpfe mit ganz anderem Ausgang.
Die Rivalitäten mit Stefan Leko, Ruslan Karaev, Sem Schilt und Alistair Overeem zeigen verschiedene Seiten seiner Entwicklung. Thom Harinck, Mike Passenier und später Saïd El Badaoui gehören zur Trainingsgeschichte hinter diesen Kämpfen. Gemeinsam geben sie seiner Karriere eine klare Linie: die frühen Lektionen, den internationalen Durchbruch und die Art, wie Hari seine offensiven Fähigkeiten auf verschiedenen Bühnen einsetzte.
1. Eine Laufbahn, die verschiedene Kickboxwelten verbindet
Badr Hari gehört zu der Generation, die den Übergang vom klassischen K-1 zu den späteren großen europäischen Kickboxbühnen miterlebte. Das Amsterdamer Gym bildete seine Basis, Japan bot ihm eine internationale Bühne und niederländische Kampfsportveranstaltungen brachten ihn mit Champions zusammen, die das Publikum schon seit Jahren kannte. So bietet seine Karriere auch einen Zugang zu einer größeren Epoche der Schwergewichtsgeschichte.
Seine wichtigsten Meistertitel verdienen es, einzeln genannt zu werden. 2007 gewann Hari den K-1-Heavyweight-Gürtel. 2009 kam der It’s-Showtime-Schwergewichtstitel hinzu. Der klassische K-1 World Grand Prix war ein anderer Wettbewerb: ein Finalturnier, bei dem der Sieger an einem Abend mehrere Gegner bezwingen musste. Hari erreichte dort 2008 und 2009 das Finale. Diese Unterscheidung hilft, sowohl seine Erfolge als auch seinen Platz unter den großen Turniersiegern richtig einzuordnen.
Eine Niederlage wurde für Hari regelmäßig zum Beginn einer neuen Begegnung. Leko, Graham, Karaev und Overeem gewannen ihren ersten Kampf gegen ihn, bevor Hari später gegen sie gewinnen konnte. Mit Schilt lief es 2009 umgekehrt: Nach Haris schnellem Titelgewinn in Amsterdam drehte Schilt das Ergebnis im Grand-Prix-Finale um.
2. Die Amsterdamer Basis und die ersten Trainingsjahre
Hari wurde am 8. Dezember 1984 in Amsterdam geboren. Seine Eltern stammten aus Marokko. Laut seiner GLORY-Biografie begann er im Alter von sieben Jahren mit dem Kickboxen. Die ersten Unterrichtsstunden waren damit noch weit von den großen Schwergewichtskämpfen entfernt, für die er später bekannt wurde: Techniken erlernen, regelmäßig zum Training kommen und Erfahrung sammeln bildeten den Anfang.
Seine ersten Trainingsjahre waren mit Mousid Akamrane und Mohammed Aït Hassou verbunden. Später kam er zu Thom Harinck an die Amsterdamer Chakuriki-Schule. Unter verschiedenen Trainern entwickelte er die technische Grundlage, mit der er als junger Schwergewichtler den internationalen Ring erreichte.
Dieser Amsterdamer Hintergrund passt zur Entwicklung des niederländischen Kickboxens. Wissen wurde im Gym weitergegeben, Sportler trainierten mit verschiedenen Partnern, und Wettkämpfe zeigten, was bereits funktionierte und was noch weiterentwickelt werden musste. Hari wuchs in dieser bestehenden Trainingskultur auf und prägte sie später auf seine eigene, unverwechselbare Weise.
3. Chakuriki und die Zeit bei Thom Harinck
Thom Harinck ist einer der großen Namen in der Geschichte des niederländischen Kickboxens. Seine Chakuriki-Schule vereinte verschiedene Kampfsporteinflüsse und wurde mit internationalen Schwergewichtlern in Verbindung gebracht. Für einen jungen Kämpfer bedeutete das Training in einem solchen Umfeld auch, die Erfahrung und die Erwartungen einer etablierten Wettkampfschule kennenzulernen.
Bei Chakuriki trainierte Hari in einem Umfeld mit viel internationaler Wettkampferfahrung. Harinck hatte bereits mit starken Schwergewichtlern gearbeitet und kannte den Weg zu den großen internationalen Bühnen. So kam Hari mit einer älteren Generation des niederländischen Kickboxens in Berührung, während er selbst noch am Anfang seiner internationalen Karriere stand.
Die Kombination aus einer etablierten Schule und einem jungen, offensiv ausgerichteten Kämpfer machte diese Zeit interessant. Hari hatte die Reichweite und Explosivität, um Gegner unmittelbar unter Druck zu setzen. In den folgenden Jahren wurden vor allem die Übergänge zwischen seinen Schlägen und Tritten immer charakteristischer.
4. Mike Passenier und die Arbeit hinter dem Durchbruch
Ein großer Teil von Haris bekanntesten Jahren ist mit Mike Passenier und Mike’s Gym verbunden. Die Zusammenarbeit wurde zu einem prägenden Teil seines Auftretens: der Angreifer im Ring und der Trainer, der ihn aus der Ecke betreute. Für viele Zuschauer gehören diese beiden Namen zur selben Phase des internationalen Schwergewichts-Kickboxens.
Ein Coach tut mehr, als einen Kämpfer am Wettkampftag anzufeuern. Zur Vorbereitung gehören Wiederholungen, das Verfeinern von Techniken, die Auswahl von Kombinationen und das Abstimmen einer Strategie auf den Gegner. Bei einem Sportler mit großer Angriffskraft ist vor allem die Frage interessant, wie er diese Kraft im richtigen Moment und aus einer günstigen Position einsetzt.
Mike’s Gym blieb jahrelang mit seinem Namen verbunden. Passenier stand während eines großen Teils der K-1-Zeit und bei späteren großen Kämpfen in seiner Ecke. 2021 entschied sich Hari mit Saïd El Badaoui bei SB Gym für ein anderes Trainingsumfeld, nach einer langen Zusammenarbeit, die für viele Fans zu einem festen Bestandteil seiner Laufbahn geworden war.
5. Die technische Handschrift: Reichweite, Kombinationen und Beschleunigung
Hari konnte mit seinen Schlägen sowohl den Körper als auch den Kopf bedrohen und einen Angriff plötzlich mit einem Tritt erweitern. Seine Größe und Reichweite boten ihm Möglichkeiten aus der Distanz. Aus kürzerer Entfernung konnten ein Aufwärtshaken oder eine kurze Schlagserie das Kampfgeschehen verändern. Die Gefahr kam dadurch aus verschiedenen Richtungen, nicht von einer einzigen bevorzugten Technik.
Seine besondere Stärke war es, eine Lücke schnell auszunutzen. Ein Gegner, der auf die Fäuste reagierte, musste auch mit einem hohen Tritt rechnen. Wer nur seinen Kopf schützte, konnte den Körper ungeschützt lassen. Dieser Wechsel der Angriffsziele machte seine Angriffe gefährlich und gab seinen Kombinationen einen eigenen Rhythmus.
Dennoch waren Geduld und Timing ebenso wichtig für seine Vorgehensweise. Bei der ersten Begegnung mit Rico Verhoeven im Jahr 2016 begann Hari vorsichtig und methodisch. Er wartete auf seine Gelegenheiten und konnte dann plötzlich das Tempo erhöhen. Gerade der Wechsel zwischen ruhigem Abstandhalten und einem präzisen Angriff machte ihn gefährlich.
6. Stefan Leko: der Rückkampf, der zum Durchbruch wurde
Die beiden Begegnungen mit Stefan Leko im Jahr 2005 machten Hari für viele internationale Zuschauer bekannt. Den ersten Kampf verlor er: Leko traf ihn mit einem Drehkick zum Körper. Damit bekam es der junge Angreifer sofort mit einem erfahrenen Gegner zu tun, der selbst über eine gefährliche und charakteristische Waffe verfügte.
Im November standen sie sich bei einer K-1-Veranstaltung in Japan erneut gegenüber. Diesmal gewann Hari in der zweiten Runde mit einem hohen Drehkick. Der Gegensatz zwischen den beiden Ergebnissen machte die Rivalität unvergesslich. Die Technik, mit der der Rückkampf endete, wurde zu einem der Bilder, die mit seiner frühen Karriere verbunden blieben.
Die beiden Kämpfe gaben seiner frühen Laufbahn sofort eine prägnante Rivalität. Zuerst wurde er selbst von einem Drehkick überrascht, später gewann er den Rückkampf mit einer spektakulären hohen Variante. Sein Name wurde dadurch mit einem Angriff verbunden, der auch außerhalb des Stammpublikums im Kickboxen Eindruck machte.
7. Peter Graham und die Bedeutung eines Rückkampfs
Peter Graham stellte 2006 eine ganz andere Herausforderung dar. Der australische Schwergewichtler gewann ihre Begegnung in Auckland mit seinem bekannten Drehangriff, der oft als Rolling Thunder bezeichnet wird. Für Hari war es ein harter Rückschlag in seinem Aufstieg, den sein Sieg über Leko deutlich gemacht hatte.
Im August 2007 kam es in Hongkong zu einer weiteren Begegnung. Diesmal gewann Hari nach Punkten. Gegen einen Gegner, der ihn zuvor überrascht hatte, hielt er nun über den gesamten Kampf stand und entschied ihn für sich. Unter seinen vielen K.o.-Siegen zeigte dieser Erfolg auch seine Fähigkeit, einen längeren Kampf durchzustehen.
Graham blieb zudem ein wiederkehrender Gegner. 2014 standen sie sich erneut gegenüber, diesmal im Finale eines Turniers mit vier Teilnehmern in Dubai. Die Rivalität begann damit in Haris ersten K-1-Jahren und setzte sich bis in eine spätere Phase fort, in der auch andere Veranstalter große Schwergewichtskämpfe organisierten.
8. Ruslan Karaev: Explosivität gegen Explosivität
Die Begegnungen mit Ruslan Karaev gehören zu den bekannten K-1-Geschichten rund um Hari. Karaev gewann ihren Kampf 2006. Im März 2007 folgte der Rückkampf in Yokohama, den Hari durch K.o. in der zweiten Runde gewann. Damit folgte auf eine frühere Niederlage erneut ein Kampf mit anderem Ausgang.
Mit Karaev traf er auf einen Gegner, der selbst schnell angreifen konnte und nur wenig Zeit brauchte, um gefährlich zu werden. Bei ihren Begegnungen konnte die Initiative plötzlich wechseln. Für Hari war der Sieg 2007 ein weiterer wichtiger Erfolg im Rückkampf, kurz bevor er seinen ersten K-1-Meisterschaftsgürtel gewann.
Im Dezember 2009 stand Karaev Hari erneut gegenüber, diesmal im Viertelfinale des World Grand Prix. Hari gewann den Kampf in der ersten Runde und machte damit den ersten Schritt auf dem Weg zu seinem zweiten Grand-Prix-Finale in Folge. Die Rivalität verbindet so seine Durchbruchsjahre mit der Phase, in der er zur festen internationalen Spitze gehörte.
9. Hawaii 2007: der K-1 Heavyweight-Gürtel
Am 28. April 2007 kämpfte Hari auf Hawaii gegen Yusuke Fujimoto um den neu eingeführten K-1 Heavyweight-Titel. Er gewann in der ersten Runde und wurde damit der erste Träger dieses Gürtels. Es war ein konkreter Meistertitel innerhalb der Organisation und ein wichtiger Meilenstein in seiner Entwicklung zum international erfolgreichen Schwergewichtler.
Der Heavyweight-Gürtel und der klassische World Grand Prix hatten innerhalb von K-1 jeweils ihren eigenen Stellenwert. Der Gürtel wurde in einem separaten Titelkampf ausgekämpft. Am Finaltag des Grand Prix mussten die verbliebenen Teilnehmer mehrere Kämpfe an einem Abend gewinnen. Hari war 2007 also bereits Champion, während seine beiden großen Turnierfinals noch vor ihm lagen.
2008 verteidigte Hari den Heavyweight-Titel gegen Glaube Feitosa. Dieser Sieg gehört zu einer starken Serie, in der er auch gegen andere etablierte Namen antrat. Die bekannten Finals kamen also nach einer Phase, in der er bereits mehrfach gezeigt hatte, dass er auf höchstem Niveau gewinnen konnte.
10. Peter Aerts und der Weg ins Finale 2008
Peter Aerts stand für eine frühere Generation des K-1-Erfolgs. Als dreifacher Sieger des klassischen World Grand Prix gehörte er zu den Namen, die dem Schwergewichts-Kickboxen international ein Gesicht gegeben hatten. Ihm an einem Finaltag zu begegnen bedeutete für Hari, unmittelbar einem außergewöhnlich erfahrenen Turnierkämpfer gegenüberzustehen.
Im Viertelfinale 2008 gewann Hari in der zweiten Runde durch technischen K. o. Danach folgte ein Sieg über Errol Zimmerman im Halbfinale. Damit erreichte er erstmals den letzten Kampf des World Grand Prix. Am selben Abend zeigten sich sowohl seine Fähigkeit, einen etablierten Champion zu besiegen, als auch sein Platz in einer neuen Generation von Schwergewichtlern.
Mit zwei Siegen am selben Abend stand Hari erstmals im letzten Kampf des Turniers. Vor allem der Sieg über Aerts unterstrich seinen Durchbruch unter den großen Schwergewichtlern. Der junge Herausforderer, der sich wenige Jahre zuvor noch einen Namen machen musste, hatte nun einen der erfahrensten K-1-Champions besiegt.
11. Remy Bonjasky und das Finale, das mit einer Disqualifikation endete
Remy Bonjasky brachte seinen eigenen Stil und viel Turniererfahrung mit. Seine Verteidigung, sein Timing und seine explosiven Angriffe stellten eine andere Herausforderung dar als die Stärken von Aerts oder Zimmerman. Im Finale 2008 standen sich zwei Kämpfer gegenüber, die einen Kampf jeweils auf ihre Weise schnell wenden konnten.
Das Finale endete mit Haris Disqualifikation, nachdem er Bonjasky am Boden getroffen hatte. Bonjasky wurde Sieger des World Grand Prix. Nach zwei gewonnenen Kämpfen entging Hari so der Hauptpreis.
Für Hari endete so ein Abend, an dem er zunächst Aerts und Zimmerman besiegt hatte. Dieser Weg ins Finale hatte sein Potenzial auf höchstem Niveau gezeigt. Bonjasky verließ Yokohama als Champion, während Hari im folgenden Jahr erneut den Weg zum letzten Turnierkampf antrat.
12. Die große Arena und der Druck eines Turniertags
Der klassische K-1-Finaltag hatte einen besonderen Ablauf. Ein Kämpfer begann mit einem Viertelfinale und musste bei einem Sieg erneut antreten. So beeinflusste ein Kampf den nächsten: die Zeit im Ring, die Anstrengungen und die Erholung zwischen den Kämpfen gehörten alle zu den Anforderungen des Turniers.
Für einen Schwergewichtler bedeutete das drei verschiedene Gegner an einem Abend, wenn er das Finale erreichte. Aerts und Zimmerman erforderten 2008 jeweils eine eigene Herangehensweise, bevor Bonjasky wartete. Ein schneller Sieg konnte Energie sparen, doch auch nach einem schweren Kampf musste sich ein Sieger erneut bereit machen.
Dieser Aufbau verlieh K-1 seine besondere Spannung. Das Publikum verfolgte den Weg vom Viertelfinale bis zum Finale am selben Abend, mit Champions, Überraschungen und Rivalitäten. Hari erreichte 2008 und 2009 zweimal das Finale und stand damit im Mittelpunkt einer starken Phase des internationalen Schwergewichts-Kickboxens.
13. Sem Schilt in Amsterdam: ein Titel in 45 Sekunden
Im Mai 2009 stand Hari in Amsterdam Sem Schilt im Kampf um den It’s Showtime-Schwergewichtstitel gegenüber. Schilt gehörte bereits zu den großen Namen der K-1-Generation. Seine Größe, Reichweite und Fähigkeit, die Distanz zu kontrollieren, hatten ihn besonders erfolgreich gemacht.
Hari gewann den Kampf nach 45 Sekunden. Dieser schnelle Sieg wurde zu einem der wichtigsten Erfolge seiner Laufbahn. Er zeigte, wie gefährlich sein direkter Angriff selbst gegen einen überaus erfolgreichen Champion sein konnte, wenn Hari sofort Lücken fand und dem Gegner wenig Zeit blieb, seinen eigenen Rhythmus aufzubauen.
Der Sieg brachte Hari den It’s Showtime-Schwergewichtstitel ein und wurde zu einem seiner bekanntesten Erfolge. Er hatte einen Champion besiegt, der durch seine Distanzkontrolle für viele Gegner besonders schwer zu treffen war. Später im selben Jahr traf er erneut auf Schilt, diesmal im Grand Prix-Finale in Japan.
14. Alistair Overeem und eine Rivalität über verschiedene Phasen hinweg
Alistair Overeem und Hari trafen Ende 2008 nach K-1-Regeln aufeinander. Overeem gewann in der ersten Runde. Daraus entwickelte sich eine Rivalität zwischen zwei Schwergewichtlern, die auch wegen ihrer unterschiedlichen sportlichen Hintergründe viel Aufmerksamkeit erregte. Schon im folgenden Jahr kam es zu einem weiteren Kampf.
Im Halbfinale des World Grand Prix 2009 besiegte Hari Overeem ebenfalls in der ersten Runde. Für Hari bedeutete das nicht nur eine erfolgreiche Revanche, sondern auch den Einzug in sein zweites Grand Prix-Finale in Folge. Die wechselseitigen Siege zeigen, warum die beiden Namen auch später miteinander verbunden blieben.
2022 standen sie sich bei GLORY erneut gegenüber. Ihr dritter Kampf ist nach einer späteren Änderung des Ergebnisses als No Contest vermerkt. Ihre Rivalität verbindet damit drei verschiedene Kampftage über einen Zeitraum von fast vierzehn Jahren. Die ersten beiden Begegnungen gehören zu den klassischen K-1-Jahren, die dritte zum späteren GLORY-Kapitel.
15. Der World Grand Prix 2009: erneut bis zum letzten Kampf
Hari erreichte das Finale 2009 nach Siegen gegen Karaev und Overeem. Sein letzter Gegner war erneut Sem Schilt, den er zuvor im selben Jahr in Amsterdam so schnell besiegt hatte. Damit hatte der Finaltag eine klare Geschichte: Zwei erfolgreiche Schwergewichtler trafen aufeinander, diesmal mit einem anderen Hauptpreis auf dem Spiel.
Diesmal gewann Schilt das Finale in der ersten Runde. Damit ging der K-1 World Grand Prix an ihn. Für Hari endete ein starker Weg durch das Turnier erneut kurz vor dem Gesamtsieg. Gerade die Unterschiede zur Begegnung in Amsterdam machen es interessant, die beiden Kämpfe miteinander zu vergleichen.
So gab es in diesem Jahr zwei ganz unterschiedliche Begegnungen zwischen denselben Schwergewichtlern. In Amsterdam gewann Hari den It’s Showtime-Gürtel; in Japan gewann Schilt das K-1-Finalturnier. Für Hari blieben der Titelgewinn und zwei gewonnene Kämpfe am Finaltag wichtige Erfolge, trotz der Niederlage im letzten Kampf.
16. Hesdy Gerges und die weiteren It’s Showtime-Jahre
2010 verteidigte Hari seinen It’s Showtime-Titel zunächst gegen Mourad Bouzidi. Später im selben Jahr stand er in Amsterdam Hesdy Gerges gegenüber, ebenfalls einem Schwergewicht mit Verbindungen zur niederländischen Gym-Szene. Damit kam mit Gerges ein weiterer bekannter Name in der Geschichte um den Titel hinzu.
Die Begegnung mit Gerges endete mit Haris Disqualifikation, nachdem er seinen Gegner am Boden getroffen hatte. Gerges wurde damit der neue It’s Showtime-Champion. Hari verlor den Titelgürtel, den er ein Jahr zuvor gegen Schilt gewonnen hatte.
2018 standen sich Hari und Gerges erneut gegenüber, diesmal bei GLORY. Nach einer späteren Änderung des Ergebnisses wurde dieser Kampf als No Contest gewertet. Zwischen ihren Begegnungen lagen damit acht Jahre, in denen der Wechsel von It’s Showtime zu GLORY stattfand.
17. Neue Gegner und bekannte Namen außerhalb der klassischen K-1-Ära
Auch nach den großen Grand-Prix-Jahren trat Hari weiterhin gegen bedeutende Schwergewichte an. Sein Sieg über Gökhan Saki im Januar 2012 in Leeuwarden zählt zu den herausragenden Leistungen dieser Zeit. Es war erneut ein Kampf, in dem seine Offensive innerhalb kurzer Zeit große Wirkung zeigte.
Die Begegnungen mit Zabit Samedov zeichnen ein anderes Bild jener Jahre. Hari traf auf verschiedenen Bühnen auf ihn, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Seine Laufbahn bestand nicht nur aus dem jährlich stattfindenden K-1-Finaltag, sondern auch aus einzelnen Kampfabenden und Rivalitäten, die sich über mehrere Jahre erstreckten.
2014 gewann Hari in Dubai ein Turnier mit vier Teilnehmern. Er besiegte Leko im Halbfinale und Graham im Finale, zwei Gegner, die bereits bei seinem internationalen Durchbruch eine Rolle gespielt hatten. Auch abseits der klassischen K-1-Turniere trafen solche bekannten Namen also weiterhin aufeinander.
18. GLORY und die erste Begegnung mit Rico Verhoeven
Am 10. Dezember 2016 standen sich Hari und Rico Verhoeven in Oberhausen gegenüber. Das Interesse war groß, und die Begegnung erhielt den Namen COLLISION. Verhoeven war der amtierende GLORY-Schwergewichtschampion; Hari brachte den Ruf mit, den er sich in seinen K-1- und It’s Showtime-Jahren erworben hatte.
Laut dem offiziellen Kampfbericht war dies ein Superfight über drei Runden, bei dem kein Weltmeistertitel auf dem Spiel stand. Hari begann vorsichtig und traf Verhoeven in der ersten Runde. In der zweiten Runde verletzte er sich am Arm und konnte nicht weitermachen. Verhoeven gewann durch technischen Knock-out.
Die erste COLLISION brachte einen amtierenden Champion und einen der bekanntesten Angreifer der K-1-Ära zusammen. Der kurze Kampf weckte bei vielen Zuschauern den Wunsch nach mehr. Beide Kämpfer sprachen danach über einen Rückkampf, der 2019 tatsächlich stattfand und bei dem der Weltmeistertitel auf dem Spiel stand.
19. Das GelreDome 2019: zwei Niederschläge und ein unerwartetes Ende
Am 21. Dezember 2019 fand der Rückkampf in Arnheim statt. Diesmal stand der GLORY-Schwergewichtstitel auf dem Spiel. Hari schickte Verhoeven in der ersten Runde mit einem rechten Schlag zu Boden. In der dritten Runde folgte ein weiterer Niederschlag, diesmal durch einen hohen Tritt.
Diese Momente zeigten, dass er auch gegen einen erfahrenen Champion wirksame Lücken finden konnte. Der offizielle Bericht von GLORY hebt dabei seine Angriffswinkel und die Kraft hervor, mit der er die gefundenen Lücken ausnutzte. So entwickelte der Kampf eine Spannung, die weit über die Erwartungen im Vorfeld hinausging.
Kurz darauf konnte Hari nach einem Drehkick und einer Beinverletzung nicht weitermachen. Verhoeven verteidigte seinen Titel durch technischen K. o. Nach den beiden Niederschlägen und Haris starken Angriffsmomenten fand der Titelkampf damit ein abruptes Ende.
20. Andere Trainingsentscheidungen und eine neue GLORY-Generation
In den Jahren nach dem Rückkampf folgten unter anderem Begegnungen mit Benjamin Adegbuyi und Arkadiusz Wrzosek. Sie brachten andere Stärken mit und stellten ihn vor neue Herausforderungen im Ring. Dadurch entwickelte die spätere GLORY-Phase eine eigene Geschichte, mit neuen Gegnern neben der Rivalität, die das größte öffentliche Interesse auf sich zog.
2021 wurde Haris Wechsel zu Saïd El Badaoui bei SB Gym bekannt. Nach der langjährigen Zusammenarbeit mit Mike Passenier bedeutete das ein neues Trainingsumfeld. Auch in dieser späteren Phase traf Hari bei seiner Vorbereitung und Betreuung weiterhin neue Entscheidungen.
Gegen Adegbuyi und Wrzosek musste Hari Niederlagen hinnehmen. Der Rückkampf gegen Wrzosek im Jahr 2022 endete ohne Wertung. Eine neue Generation von Schwergewichtlern machte auf sich aufmerksam, während Hari weiter nach dem nächsten großen Sieg suchte.
21. Marokko, die Kämpfe von 2023 und seine Worte im Jahr 2026
Haris marokkanische Herkunft nahm einen sichtbaren Platz in seiner sportlichen Identität ein. Obwohl er in Amsterdam geboren wurde und sich in der niederländischen Gym-Kultur entwickelte, vertrat er Marokko. In seiner GLORY-Biografie spricht er über seine Verbundenheit mit dem Land und darüber, wie wichtig ihm die Unterstützung war, die er dort erhielt.
Im September 2023 zog er sich bei GLORY 88 aus seinem geplanten Kampf gegen James McSweeney zurück, aus Mitgefühl mit den Opfern des Erdbebens in Marokko. Einen Monat später kämpfte Hari bei GLORY 89 in Bulgarien gegen Uku Jürjendal. Jürjendal gewann in der zweiten Runde durch technischen K. o.
Am 8. Februar 2026 berichtete Sportnieuws.nl über eine Instagram-Nachricht, in der Hari sich als nicht mehr aktiv beschrieb, aber seine bleibende Liebe zum Sport betonte. Er hatte GLORY 105 besucht und bedankte sich bei den Menschen um ihn herum. Die Nachricht enthielt keine offizielle Ankündigung seines Karriereendes. Seine Verbundenheit mit dem Kickboxen blieb deutlich.
22. Die Anziehungskraft einer unverwechselbaren Persönlichkeit im Schwergewicht
Haris Einfluss lässt sich nicht allein an Titelgewinnen ablesen. Seine Kämpfe weckten Erwartungen: die Vorstellung, dass ein einziger Angriff den Kampf verändern könnte, die Erinnerung an eine frühere Rivalität und die Spannung einer Begegnung mit einem Champion. Diese Kombination machte seinen Namen für das Publikum besonders attraktiv.
Seine Karriere verbindet zudem verschiedene Zuschauergruppen. Für K-1-Fans gehört er zur großen japanischen Turnierära. Für viele niederländische Zuschauer sind gerade die Begegnungen mit Verhoeven ein wichtiger Bezugspunkt. Seine marokkanische Identität und Herkunft zeigen auch die internationale Bedeutung dieses Interesses.
Vielen Fans sind gerade diese Begegnungen im Gedächtnis geblieben: der hohe Tritt gegen Leko, der schnelle Sieg über Schilt und die Niederschläge gegen Verhoeven. Zusammen mit seinen Meisterschaftsgürteln und Grand-Prix-Finalteilnahmen erklären sie, warum sein Name einen festen Platz unter den bekannten Schwergewichten bekam.
23. Von der Karrieregeschichte ins eigene Training
Wer selbst Kickboxen betreibt, erkennt in Haris Kämpfen die Elemente wieder, die auch im Training vorkommen: zwischen Körper und Kopf wechseln, einen Tritt mit Schlägen vorbereiten und den richtigen Abstand halten. Im Unterricht baust du solche Kombinationen Schritt für Schritt auf, zunächst langsam und später mit mehr Tempo und Bewegung.
Training am Sandsack und an den Pads gibt dir Raum, Kombinationen und Trefferflächen zu üben. Bei kontrollierten Partnerübungen kommen Distanz, Reaktion und Verteidigung unmittelbarer hinzu. Passende kickboxhandschuhe und boxbandagen unterstützen das Schlagtraining. Schienbeinschützer, ein mundschutz und Trainingskleidung eignen sich für die verschiedenen Formen des Partnertrainings und der Bewegung.
Ein guter Trainingspartner, der die Schlagpolster hält, hilft dir, schnell zu reagieren. An Pratzen übst du Schlagkombinationen, während Thai-Pads und Kickschild Raum für kraftvolle Tritte und Kombinationen aus Schlägen und Tritten bieten. Indem dein Trainingspartner die Ziele bewegt und das Tempo variiert, trainierst du nicht nur den Angriff, sondern auch deine Beinarbeit und die Rückkehr in die Deckung.
24. Badr Haris Platz in der Geschichte des Kickboxens
Badr Hari gab dem internationalen Schwergewichts-Kickboxen einen unverwechselbaren Angreifer. Der K-1-Heavyweight-Titel, der It’s Showtime-Gürtel, zwei Finalteilnahmen beim klassischen Grand Prix und Siege über große Namen sind klare sportliche Meilensteine. Seine Angriffskraft, seine Reichweite und seine Fähigkeit, Lücken zu nutzen, machten viele dieser Kämpfe besonders sehenswert.
Die Geschichte umfasst jedoch mehr als die besten Szenen. Die ersten Trainer, die Zeit mit Harinck, die langjährige Verbindung zu Passenier und spätere Entscheidungen im Training bilden den Hintergrund. Rivalitäten mit Leko, Graham, Karaev, Schilt, Overeem, Gerges und Verhoeven zeigen verschiedene Seiten derselben Karriere. Auch die Niederlagen, Verletzungen und sportlichen Disqualifikationen gehören zum Gesamtbild.
Aus einem Amsterdamer Gym heraus erreichte Hari ein internationales Publikum. Er gewann große Titel, besiegte starke Gegner und blieb über Jahre ein Name, auf dessen Kämpfe sich Kickboxfans freuten. Seine Karriere verbindet die klassischen K-1-Jahre mit der späteren GLORY-Ära, mit einem offensiven Stil, der in beiden Phasen unverkennbar blieb.






















